Bodelschwingh-Haus Hamburg
DIE GRÜNDUNGSPHASE
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1925 beschäftigte sich der Landesverband für Innere Mission Hamburg unter dem Druck zunehmender Wohnungsnot erstmalig mit der Wohnungsnot und ihren Folgen in Hamburg. Als konkretes Ergebnis dieser Überlegungen nahm 1927 das neu erbaute „Haus Scharhörn“ in Hamburg als erstes evangelisches Obdachlosenheim für Männer seinen Betrieb auf.

Konzeptionell sollte sich „Haus Scharhörn“ von den staatlichen Asylanstalten unterscheiden. Statt in Massenquartieren mit Pritschen wurden die Obdachlosen in mit Kabinen versehenen Schlafsälen mit richtigen Betten menschenwürdiger als bisher untergebracht. Zum anderen sollte den Obdachlosen eine fürsorgerische Betreuung zuteil werden mit dem Ziel einer Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

Von Beginn an sah die Konzeption vor, dass es sich um ein Durchgangsheim und nicht um ein Dauerheim handeln sollte. Die Aufenthaltsdauer sollte sich zwischen einigen Tagen und Wochen bewegen. Das Angebot richtete sich ausschließlich an Männer zwischen 18 und 30 Jahren. Die normale Kapazität betrug 60 Betten, sie konnte im Bedarfsfall auf 100 Plätze erweitert werden.

Das Wohlfahrtsamt hielt sich in den ersten Jahren mit der Belegung zurück. Nur Personen, bei denen ein „besonderes fürsorgerisches Interesse“ bestand, konnten mit einer Unterbringung in der Humboldtstraße rechnen. Dabei übernachteten nach Angaben aus dem Jahre 1927 in Hamburg täglich zwischen 800 und 1.000 Menschen in Obdachlosenunterkünften.

DIE NS-ZEIT

Das Heim wurde weder von staatlicher Seite ausreichend belegt, noch konnte die Kostenbeteiligung der Kirchengemeinden zufriedenstellend geregelt werden, obwohl die Weltwirtschaftkrise und die damit verbundene Massenarbeitslosigkeit Tausende in die Obdachlosigkeit trieb. Im Verlauf der Weltwirtschaftskrise stieg das staatliche Haushaltsdefizit und auch die finanzielle Situation des Vereins für Innere Mission verschlechterte sich bedrohlich. Die Krise der Stadtmission führte zu einer sehr viel engeren Zusammenarbeit mit der Landeskirche.

Die restriktiven Maßnahmen der Nationalsozialisten gegenüber den Wanderern wirkten sich auch auf die Arbeit des Männerheims aus. Über direkte Übergriffe auf Heimbewohner liegen keine Erkenntnisse vor. Jedoch waren auch in Hamburg Bettler, Wanderer und Obdachlose den Repressalien der Nationalsozialisten ausgeliefert. Sie mündeten in Verhaftungen, Misshandlungen und Einweisung in Konzentrationslager. Während andere Einrichtungen bereits geschlossen wurden, konnte sich „Haus Scharhörn“ trotz der mannigfaltigen Probleme noch eine Zeit lang behaupten.

Zum 1. Februar 1937 stellte „Haus Scharhörn“ aber dann doch die Arbeit ein. Ab dem 1. Oktober 1937 wurde das Obdachlosenheim an die NS-Volkswohlfahrt (NSV) für monatlich 230 RM verpachtet.

DER NEUANFANG – DAS BODELSCHWINGH-HEIM
Bodelschwingh-Haus Hamburg

In Hamburg hatte keine Einrichtung für Wanderer und Obdachlose der Inneren Mission und der gesamten kirchlichen Wohlfahrtsarbeit die NS-Zeit überlebt. Erst Anfang 1950 eröffnete die Innere Mission ein kleines Heim mit 20 Betten, um einen kleinen Beitrag zur Linderung der Not der Heimat- und Obdachlosen zu leisten. Ecke Richardstraße und Eilbekerweg wurde eine Baracke aufgestellt, die am 1. Februar 1950 unter dem Namen „Bodelschwingh-Heim“ als Wanderarbeitsstätte und Wandererheim ihren Betrieb aufnahm. Gedacht war vor allem an Strafentlassene, insbesondere jugendlichen Alters, die ohne fürsorgerische Betreuung weiter zu verwahrlosen drohten sowie an Personen, die sich nur vorübergehend in Hamburg aufhalten wollten oder die bis zur Klärung ihrer Verhältnisse untergebracht werden sollten. In dem Obdachlosenheim fanden Selbstzahler und Hilfsbedürftige Aufnahme, die von Fürsorgestellen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege zugewiesen wurden. Der damals 41-jährige Heinrich Ketelsen übernahm für 22 Jahre die Leitung des Hauses.

Im April 1953 konnte das neu erbaute Gebäude auf dem Grundstück des früheren Obdachlosenheimes „Scharhörn“ bezogen werden, führte aber weiter den Namen Bodelschwingh-Heim. Die Arbeit konzentrierte sich im Wesentlichen auf die Unterbringung von Jugendlichen im Alter von 18 bis 25 Jahren. Besonderer Wert wurde dabei auf die Ausbildung der jungen Menschen gelegt. So wurde das Bodelschwingh-Heim zunächst auch als Lehrlingsheim bezeichnet, später nannte es sich Jugendwohnheim.

Weitreichende Veränderungen traten Anfang der 1960er-Jahre ein. 1961 wurde ein neu gebautes Gebäude für 50 Personen als Männerwohnheim für entlassene Strafgefangene und alkoholgefährdete Männer eingerichtet. Das Jugendwohnheim wurde am 15. Dezember 1962 aufgelöst. Das Bodelschwingh-Heim wurde damit bis zur grundsätzlichen Neustrukturierung im Jahre 1972 zu einem reinen Männerwohnheim mit insgesamt 116 Plätzen. Vier Jahre später erfolgten Umbaumaßnahmen, um eine Sonderabteilung für die Betreuung von ca. 16 psychisch Kranken zu schaffen.

DIE WANDLUNG ZUR SOZIALPÄDAGOGISCHEN EINRICHTUNG
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Nachdem die Sonderstation aufgelöst worden war, erhielt das Bodelschwingh-Heim mit der Anerkennung als Gefährdetenheim am 14. April 1972 eine neue finanzielle Grundlage. Das Heim galt ab sofort als Einrichtung im Sinne des § 103 (später § 72) des Bundessozialhilfegesetzes. Im darauffolgenden Jahr konnte das Bodelschwingh-Heim, das sich inzwischen in der Trägerschaft des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Alt-Hamburg befand, durch einen Umbau die Zahl der Plätze von 112 auf 134 erhöhen. Das Bodelschwingh-Heim konzentrierte sich jetzt ausschließlich auf den Bereich der Hilfen nach § 72 BSHG für alleinstehende wohnungslose Männer.

Analog zur bundesweiten Theorie- und Konzeptionsdiskussion wandelte sich das Bodelschwingh-Heim zu einem bedarfsgerechten Angebot der stationären Hilfe. Die Hilfe wurde fortan durch die Qualifizierung des Personals, durch die Entwicklung von Hilfestandards und durch die Verrechtlichung der Hilfe geprägt. Das Bodelschwingh-Heim wurde in dieser Zeit unter der Leitung von Helmuth Schmidtke, der wesentlichen Anteil an der neuen Entwicklung hatte, in „Bodelschwingh-Haus“ umbenannt. Eine „Vorläufige Konzeption“ legte erstmalig den Schwerpunkt auf eine intensive persönliche Hilfe in Form von Betreuung und Beratung. Aber bedingt durch die in den achtziger Jahren beginnende Ambulantisierung der Hilfe stimmte die Behörde der neuen Konzeption und dem damit verbundenen Bettenabbau zuerst nicht zu.

Erst 1986 konnte die neue Konzeption mit der Behörde vereinbart werden. Neben der Schaffung von 70 Einzelzimmern, der Umstellung von Vollverpflegung auf Selbstversorgung, der Einführung von Etagenküchen und der Aufhebung des Alkoholverbotes wurde auch erstmalig ein Nutzungsvertrag eingeführt, der den Hilfeprozess zwischen Einrichtung und Bewohner verbindlich regelte.

DIFFERENZIERUNG DER ARBEIT – STÄRKERE ORIENTIERUNG AM TATSÄCHLICHEN HILFEBEDARF

Das Angebot des Hauses orientierte sich in den Folgejahren immer stärker am Hilfebedarf der Bewohner. Die weitere fachliche Umsetzung des Konzeptes aus 1986 begann 1990. Im Oktober 1989 hatte die Dipl. Volkswirtin Rosita Timm die Leitung des Bodelschwingh-Hauses übernommen.

Die Zahl der wohnungslosen Menschen in Hamburg war von ca. 26.000 im Dezember 1989 auf 43.000 im Juli 1990 dramatisch angewachsen. Armut und Verelendung war unmittelbar damit verbunden. Zum ersten Mal seit Jahren mussten Hilfesuchende abgewiesen werden, da das Haus voll belegt war. Die Aufenthaltsdauer verlängerte sich und die Problemballung auf engem Raum führte in der Einrichtung zu einer Zunahme von Gewalt. Die weitere konzeptionelle Entwicklung der Einrichtung bewegte sich in dieser Zeit in einem Spannungsrahmen zwischen den Armutsentwicklungen in Hamburg selbst, den sich durch starke Verelendungstendenzen bei den Hilfesuchenden verändernden Hilfebedarfen, der weiter geführten Diskussion der Ambulantisierung der Hilfen und der Erkenntnis, dass aufgrund der massiven und manifesten Notlagen der Hilfesuchenden ein stationäres Angebot vorhanden sein muss.

1990 trug die Liste der Erneuerungen dem Grundgedanken Rechnung „bedarfsgerechte Hilfe“ anzubieten und die Selbstständigkeit der Bewohner zu fördern, den stationären Angebotsrahmen zu profilieren und dabei die Autonomie und die Eigenständigkeit der Bewohner im Blick zu behalten. Unter der Leitung von Rosita Timm wurden konkrete Veränderungen entwickelt – u.a. folgende:

  • Ausgrenzende Kriterien bei der Aufnahme neuer Bewohner wurden aufgehoben
  • Eine gemeinsame Finanzplanung löste die herkömmliche Geldverwaltung für die Bewohner ab
  • Die bisherige Freizeitarbeit entwickelte sich zur Gemeinwesenarbeit
  • Ein neuer Nutzungsvertrag wurde entwickelt
  • Hausversammlungen wurden eingeführt
  • Durch die Abschaffung der Befürwortungspraxis bei einmaligen Beihilfen wurde das Dreiecksverhältnis Hilfeempfänger / Sozialhilfeträger / Bodelschwingh-Haus entflochten.

Probleme mit dem Kostenträger und Überlegungen des eigenen Trägers, die Einrichtung aufzugeben, erschwerten diesen Prozess ab ca. 1991 erheblich. Nach der Entscheidung des Kirchenkreises Alt-Hamburg 1992 das Bodelschwingh-Haus in der Trägerschaft zu belassen und mit der Geschäftsführung die neu gegründete Diakonieabteilung zu betrauen, setzte in den Jahren 1994 – 1996 ein neuer konzeptioneller Denkprozess ein.

AUFBAU DEZENTRALER STATIONÄRER HILFE

1994 hatte Horst Nitz die Leitung des Hauses übernommen. Zusammen mit seiner Stellvertreterin Inka Damerau trieb er die Modernisierung der Einrichtung hinsichtlich Fachlichkeit und Baulicher Struktur voran.

1994 wurde die Idee der dezentralen Hilfe geboren. Dies bedeutete in den Umsetzungsschritten der kommenden Jahre den Umbau des Hauses in Appartements als Wohnform und eine Teildezentralisierung in Form von Wohnungen im Stadtgebiet, die vom Träger angemietet wurden.

Der Ausgangspunkt der Teildezentralisierung folgte der Grundüberlegung des Angebots einer Integrationsleistung über Hilfen in der Wohnung von Beginn an und des Angebots an individueller Hilfe.

Die Idee, die diesem Konzept zugrunde lag, war in den 1990er Jahren ohne Vorbild. Teile des „Heims“ sollten mobil werden. Das Bodelschwingh-Haus sollte Wohnungen anmieten, den Bewohner darin eng begleiten, beraten und nach Abschluss der Maßnahme sollte der Bewohner die Wohnung als Hauptmieter übernehmen. Sie sollten am Ort der schon begonnenen Integration bleiben.

Die Differenzierung konzeptionell und räumlich führte auch zu weiteren Überlegungen der Veränderung der Angebotsstruktur für unterschiedliche Zielgruppen:

  • Konzept für Ältere und vorzeitig Abgebaute
  • Aufnahme von Frauen und Paaren

Die Umsetzung der vorgeschlagenen Hilfen scheiterte an der Ablehnung der Sozialbehörde.

Im Rahmen eines Projektes wurden von Ende 2006 bis Ende 2009 Paare in dezentralen Wohnungen betreut. Dieses Projekt wurde 2009 Mangels Unterstützung durch den Kostenträger wieder eingestellt.

Seit 1996 umfasst das Bodelschwingh-Haus folgende Bereiche, die in den nachfolgenden Jahren noch ausdifferenziert wurden:

  • Fachbereich I – Stationäre Hilfe (Humboldtstraße)
  • Fachbereich II – Dezentrale Stationäre Hilfe ( seit 1997 als Modelprojekt, ab 2002 als Regelangebot)
  • Fachbereich III – Nachgehende Hilfe (seit 1996)
  • Soziale Wohnraumhilfe seit 2002 durch das Wohnraummanagement abgelöst

Die Herausforderung lag in den folgenden Jahren (bis heute), aufgrund der sehr angespannten Lage auf dem Hamburger Wohnungsmarkt in der Wohnraumakquise. Zur weiteren Professionalisierung und zur Absicherung der Plätze im dezentralen Angebot, sowie zur Verwaltung der angemieteten Wohnungen gibt es seit 2002 das Wohnraummanagement.

DIE FESTIGUNG DES DEZENTRALEN ANGEBOTS, DIE INDIVIDUALISIERUNG DER HILFEN UND WOHNUNGSLOSENHILFE BENÖTIGT WOHNRAUM

Von April 2008 bis März 2014 übernahm Inka Damerau die Leitung der Einrichtung.

Das Bodelschwingh-Haus konzentrierte sich inzwischen auf die Aufnahme von wohnungslosen Männern im Alter zwischen 25 bis 60 Jahren. Der in den Jahren 2003 bis 2005 und in 2009 erfolgte Umbau erlaubte endlich die Umsetzung weiterer in der Konzeption von 1996 vorgesehener Vorhaben. Seit August 2009 leben die Bewohner der Einrichtung in 45 Appartements mit eigener Dusche/WC und Küchenzeile, sowie in 25 dezentralen Wohnungen.

Die vom Bodelschwingh-Haus herausgegebene Broschüre „Unser Ziel ist die Integration“ würdigt den Veränderungsprozess, den die gesamte konzeptionelle und bauliche Umstrukturierung für die Beratungs- und Unterstützungsarbeit in der jetzt „neuen“ Einrichtung bedeutete. Die Auflösung herkömmlicher „Heimstrukturen“ eröffnete den Bewohnern mehr Möglichkeiten ihre eigene Individualität zu entwickeln und stärkte ihre Ressourcen. Die Mitarbeitenden in allen Berufsbereichen waren gefordert, flexiblere und individuellere Lösungsansätze zu entwickeln, die vor allem auf die Stärkung der Eigenkompetenz der Bewohner zielt. Das begann mit der Einzelfallberatung, ging über Gruppenangebote im Haus, die die Wohn- und Lebenssituation aufgriffen, bis hin zu Fragen der konkreten Haushaltsführung in den Appartements und dezentralen Wohnungen. So kamen seit Ende der 1990er und Beginn 2000er die Angebote “ Wohnwerkstatt“ und “ Kochkurse“ auf den konzeptionellen Prüfstand. Schnittstellen zwischen allen beruflichen Gruppen und den verschiedenen Bereichen der Sozialarbeit wurden neu festgelegt und definiert.

2012 feierte das Bodelschwingh-Haus gleich 2 Jubiläen – das 85jährige Bestehen und 15 Jahre Dezentrale Hilfe- und würdigte den Veränderungsprozess mit einer Feier.

Weiterhin stark geprägt wurde die Arbeit der Einrichtung durch:

  • die sich verfestigende und steigende Wohnungsnot und die enorm schwierige Lage auf dem Hamburger Wohnungsmarkt
  • die sich verlängernde Aufenthaltsdauer der Klienten deswegen aber auch wegen der immer ausgeprägteren komplexeren Problemlagen der Klienten
  • die Konfrontation mit enorm vielen Anfragen nach Hilfe

Reagiert wurde von Seiten der Einrichtung u.a. mit großen Anstrengungen für die Wohnraumakquise auf verschiedenen Ebenen. Dazu gehörte auch die engagierte Arbeit in den entsprechenden Gremien, mit den zuständigen Fachbehörden und dem entwickeln von Kontakten zu Stiftungen und entsprechenden Projektentwicklern für Wohnraum. Mit einer Professionalisierung der Anfrage- und Aufnahmeorganisation und mit gezielter kontinuierlicher Fortbildung der Mitarbeitenden.

HILFEN FÜR WOHNUNGSLOSE MENSCHEN IN DER GENTRIFIZIERTEN STADT

Im Mai 2014 hat Christian Heine die Leitung der Einrichtung übernommen. Inka Damerau hat im April 2014 die Leitung des Bereichs Diakonie im Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-Ost übernommen. Im Mai 2017 übernimmt Johannes Affeld die neue Aufgabe der pädagogischen Leitung im Bodelschwingh-Haus, gleichzeitig ist er stellvertretender Leiter der Einrichtung.

Die breit aufgestellten Hilfen mit stationären, dezentralen und nachgehenden Hilfen haben sich sehr bewährt. Nach wie vor fragen viele Menschen nach Unterstützung durch das Bodelschwingh-Haus. Eine gute Entwicklung, die jedoch durch die massiven Probleme am Wohnungsmarkt erschwert wird.

Die Stadt Hamburg hat die Förderung preiswerten Wohnraums seit den 1990er Jahren stark reduziert. Parallel dazu enden für viele ältere Bauten die Fristen der Mietpreisbindung. Gleichzeitig hat sich die Wanderung in die Vororte umgekehrt – Hamburg ist eine der attraktivsten Städte Deutschlands mit starkem Zuzug. Das Ergebnis ist eine starke Verdrängung auf dem Wohnungsmarkt, natürlich ganz besonders bei den niedrigen Mieten, die für die vielen Geringverdiener lebensnotwendig sind.

Für uns stellt sich deshalb die Frage, wie künftig Menschen mit geringem Einkommen in der Stadt einen guten Platz zum Leben finden können. Unser Blick gilt natürlich der Situation wohnungsloser Menschen, die in dem starken Wettbewerb nochmal ganz besonders benachteiligt sind.

Die Antworten auf diese Frage suchen wir einem Diskurs zu unserer Konzeption. Dabei stehen die Struktur unserer Angebote weniger im Blick als die Fragen an zwei Prozesse: Wie können wir Partizipation erhöhen? Und: Wie können wir Unterstützer und Partner in der Stadt finden?

Ein zweiter wichtiger Prozess findet im August 2018 seinen Wendepunkt. Die Stadt Hamburg beendet aus ordnungspolitischen Motiven den stationären Charakter der Maßnahmen. Die Hilfen sind künftig formal ambulant. Für die Dezentralen und die Nachgehenden Hilfen ändert sich kaum  etwas. Die Stationäre Hilfe wird die Zentrale Hilfe. Die Verbindung von Unterstützung und Wohnen kann auch künftig erhalten bleiben. Eine historische Zäsur, weniger für den Alltag der Bewohner als für die Geschichte der Einrichtung.