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Vom Rasen auf die Straße

 In Stories

Mein bewegtes Leben hat früh angefangen. Mein Vater ist Straßenbahnfahrer gewesen und meine Mutter Hausfrau und ab und zu mal Putzhilfe. Ich habe als Boxer angefangen, aber nicht so lange. Mir war das dann zu langweilig und ich bin zum Fußball gegangen. Ich habe dann für St. Pauli gespielt, dort habe ich von der E-Jugend bis zur A-Jugend gespielt. Ein Scout vom HSV hatte mich auch schon angesprochen. Ich hatte mit den Spielern Stanislawski, Dirk Zander und anderen mitgespielt. Thomforde kenne ich noch. Beim letzten Pokalspiel St. Pauli 2 gegen Sperber, ja, um dann den Titel zu holen war ich in der 85 Minute nach vorn gegangen, ich war ja sonst Abwehrspieler, und da springt mir der Mittelstürmer von denen mit den Stollen direkt auf meine Kniescheiben. Und der Scout vom HSV hat das gesehen und hat gesagt, wir würden den Mann jetzt trotzdem übernehmen, aber als Spieler… da ist ja alles kaputt. Da habe ich dann aufgehört.

Wir sind dann nach Wilhelmsburg gezogen, mein Vater konnte im Hafen anfangen zu arbeiten. Mit 22 Jahren bin ich von meinen Eltern ausgezogen. Ich bin mit meiner Frau, die ich aus dem Frauenwohnheim geholt habe, die war gerade 19, da bin ich mit ihr zusammengezogen. Da hatten wir standesamtlich geheiratet. Die Elternteile haben das Essen und alles bezahlt. Und wir haben 2000 DM als Hochzeitsgeschenk für die Wohnungseinrichtung bekommen. Da haben wir uns alles soweit geholt.

Ich hab dann insgesamt so 16 / 17 Jahre in Wilhelmsburg gewohnt. Ich hatte auch im Hafen angefangen zu arbeiten. Nachdem ich meine Lehre abgebrochen hatte. Zuletzt hatte ich dort über eine Zeitarbeitsfirma gearbeitet. Das war 1992. Ich hatte dann ja keinen Abschluss, was mir heute ein bisschen wehtut. Wenn ich einen Abschluss hätte, hätte ich eher was bekommen.

Ich habe mich dann mit Flaschen und sammeln und betteln über Wasser gehalten um überhaupt was zu tun zu haben und nicht den ganzen Tag in der Wohnung zu versauern. Ein Bekannter meiner Frau hatte wg. Mietschulden seine Wohnung verloren und wir hatten den Aufgenommen. Das war aber eine ganz linke Socke und ich habe mich so über den aufgeregt, dass ich die ganze Wohnung demoliert hatte. Ich hatte ihn dann auch vor die Tür gesetzt. Wir mussten ausziehen und die Scheidung war dann schon am Laufen.

Ich bin dann in eine andere Wohnung in Wilhelmsburg gezogen und habe da ungefähr 6 Jahre gewohnt, aber es ging auch alles schief. Angeblich hätte ich immer zu viel laute Musik gemacht. Dann hatte ich diverse Sachen auf der Straße.

Ich habe insgesamt 16 Jahre auf der Straße verbracht. Das erste Mal habe ich 1989 auf der Straße geschlafen. Ich hatte dann immer mal wieder ein Zimmer. Als ich wohnungslos war habe ich hauptsächlich in Parks und Hauseingängen geschlafen oder auch mal im Pik As. Eine Zeit lang bin ich auch mit dem Dom rumgezogen.  Ich hatte dann das Angebot bekommen zur Beratungsstelle in St. Georg zu gehen, so dass ich dann eine Meldeadresse hatte. Da kam dann eine Bekannte auf mich zu und sagte da müsste doch jetzt mal was geschehen. Die haben mir geraten ich soll mich mal im Bodelschwingh-Haus melden. Jetzt bin ich schon fast ein Jahr hier.

Was ich mir wünsche …
Ich wünsche mir, dass ich einfach in Frieden leben kann und von anderen Leuten in Ruhe gelassen werde. Und dass ich mit meiner Familie Kontakt habe und wir Familienfeste zusammen feiern. Ich bin dankbar, dass ich überhaupt hier bin und ich die Unterkunft hier bekommen habe. Wenn ich noch einen Winter so weiter gelebt hätte und weitergetrunken hätte, dann hätte ich vielleicht nicht überlebt.

Das war im Sommer 2017. Herr I. lebt inzwischen seit 14 Monaten abstinent. Kontakte zu seiner Familie hat er vorsichtig aufgenommen. Er ist dabei, eine Wohnung zu finden. Herr I. hat gute Entscheidungen für sich getroffen und sich auf den Weg gemacht. Wir werden ihn noch ein Stück begleiten.

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